Der italienische Junge – Teil 2

Juni 27, 2017

Geheimnisse der Sulzfluh

Am nächsten Tag geht es auf einen der Berge, die wir am Talende liegen sehen: Die Sulzfluh. Natürlich nehmen wir nicht den einfachen Aufstieg über das Karrenfeld. Wir sind jung und kräftig, wir nehmen mit Zustimmung der Jungs den steilen Gemstobel.

Wir brechen auf. Der Weg wird zusehends schwieriger und führt über teilweise steile Felsstufen zum Hochrücken hinauf. Luca stapft vor mir und gibt mir mit jedem Schritt die Konturen seiner knackigen Hinterbacken preis, die sich unter der braunen Kniebundhose appetitlich runden. Etwas zu unvorsichtig nimmt er das nächste Hindernis. Er droht das Gleichgewicht zu verlieren und wankt talwärts in meine Richtung. Klar, dass ich ihn auffange und dabei seinen prallen Arsch sekundenlang in den Händen halte, bis er die Balance wieder gewonnen hat.
„Danke, Arno.“
„Nichts zu danken, Luca.“
Ich gebe ihm einen bekräftigenden Klatsch auf die Schenkel als Antwort und blicke dann sekundenlang in unstete Augen.

Es passiert noch einmal, dann zum dritten Mal. Mir kommt der Verdacht, er tut es mit Absicht. Diesmal fange ich ihn mit beiden Händen an der Taille, fühle die Wärme und die Anspannung seiner Muskeln und greife einmal neckend herzhaft ins feste Fleisch, bevor ich ihn loslasse. Er dankt mir mit dem Lächeln, das ich seit Jahren kenne. Kevin und Matthias haben nur Augen für die Umgebung. Sie scheinen nichts bemerkt zu haben.

Das Eis des kleinen Gletschers knirscht unter unseren Füßen. Eine Viertelstunde später sitzen wir drei unter dem Gipfelkreuz. Meist ist die Sulzfluh gut besucht, aber heute stört uns niemand. Vor unseren Augen liegen die weißen Kalkgipfel der Rätikongruppe, die im Süden von den dunkleren Bergen der Silvrettagruppe abgelöst werden. Weiße, zarte Federwolken treiben über den sonst tiefblauen Himmel, angenehme Temperaturen selbst hier oben. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch.

Und nicht nur das. Neben mir sitzt dieser bezaubernde Junge, der jetzt sogar den Arm um meine Schultern legt. Gut. Mochte das vielleicht unter Bergkameraden noch üblich sein, aber der Kuss, den er mir auf die Wange haucht, als Kevin und Matthias eine Alpenblume finden und sie fotografieren, scheint mir doch einen Touch zu vertraulich. Wir sitzen genau auf der Grenze nach Österreich. Ich fühle seinen Oberschenkel an meinem, genieße die Aussicht und verteile meine gute Laune gerecht auf die Schweiz und Österreich.

„Abstieg über die Höhlen?“
Luca hatte im Bergführer geblättert und sie gefunden, die Sulzfluhhöhlen. In seinen Augen lodert ein glimmendes Feuer. Natürlich sind auch die beiden anderen Jungen einverstanden. Ein Abenteuer. Klar, Abstieg über die Höhlen. Ich habe eine kleine Taschenlampe im Rucksack und bin für die Dunkelheit gerüstet. Jedoch, im Dunkeln ist gut munkeln. Also lasse ich sie eingepackt.

Eine halbe Stunde leichter Abstieg über das Karrenfeld, dann führt der Pfad scharf rechts durch eine Felsfurche abwärts. Ein dunkles Loch im Kalkgestein, direkt am steilen Abhang: Abgrundhöli, dieser Name steht auf der Karte. Zweihundert Meter tief, das steht im Bergführer. Kevin und Matthias lockt der Höhleneingang in etwa hundert Meter Entfernung, die Kirchhöli. Luca und ich entscheiden uns für die viel tiefere Höhle vor uns. Also los!

Nur zwanzig Meter, dann macht der Gang einen scharfen Knick. Das Tageslicht dringt kaum mehr bis hierher. Ich kann nur noch erkennen, dass die Höhle sich verbreitert und einen fast rechteckigen Raum bildet. Luca zündet sein Feuerzeug an. Im flackernden Licht sehe ich mich um. Mitten im Raum liegen einige große, flache Steine, davor ziemlich heller, kalkiger Sand.

Genau dorthin lenkt der Junge seine Schritte. Luca dreht seinen Kopf zu mir, die Flamme funkelt in seinen Augen. Er legt das Feuerzeug auf einen der Steine. Wir setzten uns in den Sand und lehnen uns an die Felsen. Dunkelheit ist um uns. Doch nach einigen Minuten können wir den anderen schemenhaft sehen. Lucas Hand landet auf meinem Oberschenkel. Sein Kopf liegt auf meiner Schulter. Wenn er mich jetzt noch einmal küsst, weiß ich nicht, was ich mit ihm mache. Doch er küsst mich nicht. Wir schmiegen uns nur aneinander und genießen die Wärme des anderen, bis wir die Stimmen der beiden Jungen am Höhleneingang hören.

Der Tag war wunderbar. Trotzdem war die Tour anstrengend. Wir essen und planen danach den nächsten Tag. Schnee im Sommer wollen wir sehen: Das Madrisahorn, die Rätschenfluh und den Abstieg über die schneebedeckten Gafier Platten.

Duschen, umziehen in Boxershorts und kurze Sporthose. Zwei Stunde später liege ich wieder neben Luca im Bett, diese Nacht wohl hoffentlich ungestört. Erst gegen Mitternacht schlafe ich ein. Ich träume davon, in den Armen eines geliebten Freundes zu liegen und habe keinerlei Gefühl dafür, wie lange ich geschlafen hatte, als etwas mich aus den Träumen drängt.

Es ist der Duft der letzten Nacht. Ich fühle wieder die warme Haut, diesmal an meiner Vorderseite. Luca muss irgendwie über mich gestiegen oder um das Bett gegangen sein. Eine Wange legt sich an meine, ein Kinn liegt auf meiner Schulter. Brust an Brust fühle ich eine Hand, die über meinen Rücken streicht. Ein ziemlich erigierter, jugendlicher Schwanz presst sich gegen meinen Oberschenkel. Heute Nacht ist der Junge nackt und offenbar deutlich erregter als gestern.

Verdammt, ich genieße es, diese gefährliche Begegnung, die mich Kopf und Kragen kosten kann. Dieser Duft verzaubert mich. Er betäubt meinen Verstand. Unsere Erektionen treffen sich. Ich bleibe immer noch bewegungslos und stelle mich schlafend, aber der Junge reibt seine Rute an mir, und sein heißer Atem heizt meinen Nacken. Er reizt mich bis an die Stelle, wo ich nicht mehr kann.

Mein freier Arm schließt sich um seine Taille, zieht ihn willenlos an mich. Es ist mit mir durchgegangen, es geht nicht mehr anders. Ich fühle, wie der Jungenkörper in meinem Arm starr wird.
„Bitte nicht das Licht anmachen, Arno, bitte…“, flüstert er ein wenig keuchend und zischend in mein Ohr, so leise, dass ich es fast nicht mehr verstehen kann.

Der Junge löst sich aus meiner Umarmung. Ich fühlte, wie er meine Bettseite verlässt. Soll ich ihn in seine Bettseite verfolgen und diesem berauschenden, betäubenden, den Widerstand brechenden Duft folgen? Besser nicht. Warten wir auf Morgen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.