Im Wildpark

Juni 27, 2017

Im Wildpark

Nach seinem Rundgang durch das Hauptquartier des Ruwanga Wildparks, dem groessten Naturschutzgebiet in Katongo in Zentralafrika, wollte Claus dem im Wildschutzkommando ranghoechsten Beamten des Wildschutz, dem Warden, einen Besuch abstatten. Claus arbeitete als Geschaeftsfuehrer einer Nichtregierungsorganisation, die die katongische Wildschutzbehoerde logistisch unetrstuetzte. Er hatte in den 15 Jahren seines Lebens in Katongo lernen muessen, dass ein Hoeflichkeitsbesuch nie falsch ist, selbst wenn dabei nichts unmittelbar Verwertbares rauskommen wuerde. So betrat er das kleine, verfallende Verwaltungsgebaeude, stellte sich der Sekretaerin in ihrem dunklen Zimmer vor und bat sie, fuer ihn einen Termin mit mit dem Warden auszumachen. Waehrend er mit der etwas muede wirkenden Sekretaerin noch verhandelte, wurde die Tuer zum Buero des Warden von innen geoeffnet, und eine junge Frau trat in den Tuerrahmen.

Claus konnte zuerst nur ihre Silhoutte sehen, von grellem Licht umflutetet, das von der Morgensonne durch ein Fenster im ihrem Buero und dann durch den Tuerahmen in das Vorzimmer strahlte – eine Erscheinung wie ein surrealistisches Bild. Naomi, so hiess die Frau, wandte sich zu ihrer Sekretaerin, gab ihr zu verstehen, dass ihr der unerwartete Besuch willkommen war, und winkte Claus in ihr Buero.

Claus war ueberrascht: Wildschutz in einem afrikanischen Wildpark ist haerteste Knochenarbeit und dazu gefaehrlich: Die Wildhueter schlafen wochenlang im Busch, nur mit dem Noetigsten ausgeruestet, ernaehrten sich von Wildfruechten, Fleisch und Fisch, die sie auf ihrem Weg fanden, marschierten auf ihren Patrouillen jeden Tag um die 40 Kilometer durch unwegsame Waelder und Savannen, suchten dabei aufmerksam den Boden nach Spuren ab. Wilderer schossen ohne Zoegern auf Wildhueter, wenn sie das Glueck hatten, die Wildhueter zu entdecken, bevor diese sie entdeckten. Feuerfechte waren haeufig, und von den 150 Wildhuetern im Kommanda verloren jedes Jahr mehrere Wildhueter ihr Leben. Wie eine Frau es schaffen konnte, in so einer Situation bis zum Warden aufzusteigen, eine Position, die von den meisten maennlichen Wildhuetern ebenfalls angestrebt wurde, war Claus ein Raetsel.

Erst als sie aus dem Tuerrahmen trat, konnte Claus sie klar erkennen. Sie sah in ihrer eng anliegenden Wildhueter-Uniform hinreissend aus. Naomi war fast so gross wie Claus, hatte hellbraune Hut wie Milchschokolade, ein liebes, ebenmaessiges Gesicht, freundliche, sehr wache Augen, ein kleines energisches Kinn, schmale Schultern, hoch angesetzte Brueste, die die beiden Brusttaschen ihres gruenen Uniformhemdes kaum aufblaehten, einen wohlgeformten afrikanischen Po und lange, sichtbar muskuloese Beine.

Claus wurde schlagartig wach. Er kannte sich selbst nicht mehr, er hatte richtiggehend Muehe, sich professionell zu geben, fuehlte sich in seinem Inneren verlegen wie ein pubertierender Juengling. Nachdem er auf dem Besuchersofa einen Platz zugewiesen bekam, stellte er sich sehr hoeflich vor, erzaehlte von seinem Rundgang durch das Hauaptquartier, teilte seine Meinungen und Ansichten ueber den Park mit ihr, freute sich an ihren witzigen, pointierten Kommentaren und erzaehlte ihr von dem geplanten Strassenerhebungsprogramm. Seine Organisation wollte alle Pisten im Wildpark mit Hilfe von GPS Systemen kartografieren, um ein Programm zur Rehabilitierung des Pistennetzes im Wildpark zu erstellen.

Das Gespraech zwischen den beiden dauerte viel laenger als von Claus angenommen; es sollte ja nur ein protokollgerechter Hoeflichkeitsbesuch sein. Schliesslich bat er sie, ihn zu entschuldigen; er muesse mit seinem Programm weitermachen, sein Bauingenieur, dessen Dienste er waehrend des Programms in Anspruch nahm, wartete schon auf ihn. Naomi erhob sich von ihrem Sessel, schuettelte ihm die Hand zum Abschied, und dann sagte sie leise zu ihm: “Das naechste Mal, wenn du kommst, kannst du in meinem Haus schlafen. Dann kannst du Elefanten von meiner Fruehstuecksterrasse aus beobachten.” Claus sah sie ueberrascht an; erstens hatte sie also genau bemerkt, was sie beim ihm ausgeloest hatte, und zweitens: sie war offensichtlich nicht aergerlich ueber Clauss Verhalten. Wenn Claus einen Spiegel gehabt haette, haette er auch sehen koennen, dass er unter seiner gebraeunten Haut rot geworden war. So sagte er nur leise zu ihr: “Du bist sehr gut zu mir. Ich verspreche Dir, ich werde wiederkommen.”

Die Fahrt entlang des an das Kommando grenzenden Sees und dann an der einzigen auf dem Wege liegenden Lodge vorbei zur Hauptstrasse nach Kabinsa, der Hauptstadt Katongos, erwies sich als undurchfuehrbar. Schon entlang des Sees war die Strasse ueberflutet, nur mit grossen Schwierigkeiten zu befahren, und kurz hinter der Lodge blieben sie bei der ersten Flussdurchquerung stecken. Sie brauchten zwei Stunden, um das Auto freizubekommen. Unter unendlichen Muehen erreichten sie die Bruecke ueber den Bwenzi Fluss, aber da endete dann auch die Streckenbefahrung. Die Bruecke war vor 28 Jahren gebaut worden, und seitdem hatte niemand unter der Bruecke gesaeubert. Die tropischen Regen brachten Treibholz und schweren Schlamm und verstopfte so den Wasserdurchlass unter der Bruecke. Aus der Bruecke wurde im Laufe der Jahre eine Staumauer, und schliesslich brach sich das aufstauende Wasser neben der Bruecke einen Durchlass und zerstoerte dadurch die Aufahrtsrampe der Strasse auf die Bruecke. Es haette jetzt eine zweite Bruecke ueber den Fluss gebraucht. Nachdem der Bauingenieur den Zustand der nun vollkommen nutzlosen Bruecke inspziert hatte, berichtete er Claus atemlos: “Eine vier Meter breite Bruecke, alles in Ordnung auf der Bruecke, keine Risse, keine Abnutzung. Ein gradezu klassisches Beispiel einer sehr guten Strasse, die durch voellige Vernachlaessigung komplett zerstoert wurde!” Sie mussten wieder umkehren und einen neuen Plan machen, wie sie den Teil der Nord-Sued-Piste durch den Ruwanga Park erfassen koennten, der ihnen jetzt unzugaendlich war.

Claus schlug vor, erstmal die Strassenerfassung zu beenden, nach Kabinsa zurueckzufahren und die gewonnenen Daten auszuwerten. Immerhin waren sie jetzt schon fuenf Tage unterwegs. In der Hauptstadt wuerden sie sich dann ueberlegen, wie sie die fehlenden Teile der Piste abfahren koennten. Also fuhren sie zurueck, ohne bei Naomi anzuhalten, von dort nach Mumtaba und dann nach Kabinsa.

Als Claus sich seinem Grundstueck in Kabinsa naeherte, sah er zu seiner Ueberraschung Jemusi, seinen jungen Bueroleiter, auf den Auffahrtsrampe ausserhalb des Tors sitzen, mit einem verzweifelten, voellig verstoerten Gesichtsausdruck, wie ihn Claus noch nie bei Jemusi gesehen hatte. “Jemusi”, rief er, “Was ist los?” “Ach, nichts”, erwiderte Jemusi, “ich habe mich nur ein bisschen ausgeruht.” Claus schaute Jemusi direkt ins Gesicht, aber er schuettelte nur den Kopf. “Bist du in Ordnung?”, fragte Claus nochmal. Jemusi wollte nicht antworten, erhob sich muehselig und schlurfte langsam den Weg zum Buero entlang. Diesmal half er Claus nicht, den Wagen zu entladen. Claus blickte Jemusi nochmal ins Gesicht; es war grau und muede.

Claus ging ins Haus, um sich den Dreck und Schweiss der Reise durch den afrikanischen Busch abzuduschen, und wollte Kwibisa, dem Haushaltsgehilfen, Anweisung geben, seine Waesche aus dem Auto zu bringen und zu waschen, aber Kwibisa war nicht da. Nur Theresa, seine Frau sass am Esstisch und blaetterte wie so oft in ihrem Haus und Garten Magazin. Seinen Gruss erwiderte sie nicht.

Aus ihrem ersten Projekt in Katongo wurde sie nach eineinhalb Jahren entlassen, da sie die meiste Zeit auf Parties und Empfaengen verbrachte und nur wenig Lust hatte, Analysen zu verfertigen, Berichte zu schreiben oder Projektabrechnungen zu den geforderten Terminen an die Zentrale nach Deutschland zu schicken. Dazu trank sie zunehmend mehr Alkohol. Durch ihre Cocktailbekanntschaften konnte sie sich einen Anschlussjob in Katongo sichern und bewahrte sich so ihr durch die vorhergehende Kuendigung schon angeknackstes Selbstvertrauen. An Claus und seinen Geschaeften zeigte sie dagegen kein Interesse; im Gegenteil, sie fing an, Claus wegen seiner in ihren Augen glanzlosen Kleinauftraege auf ‘Grasswurzelniveau‘ zu verachten, waehrend Claus durch seine Arbeit zunehmend mehr ueber das Land und ueber Wirtschaften lernte und sich so einen guten Ruf aufbaute.

Besonders aergerlich machte sie Clauss Anstrengung, eine der Lokalsprachen zu lernen. Das hielt sie fuer reine Zeitvergeudung. Als Claus wieder mal einen Samstagnachmittag mit seinen Sprachuebungen in seinem Buero verbrachte, wurde sie darueber so wuetend, dass sie ihm einen Topf heissen Katzenfutters ohne Vorwarnung ins Buero schleuderte. Claus stand auf, ganz benommen vor Schreck und Wut, packte sie und gab ihr eine schallende Ohrfeige. Sie fuhr mit dem Auto davon, und Claus war den ganzen Nachmittag allein, bestuerzt, packte seine Sache und wollte nur weg von dieser Schande, die er sich angetan hatte. Einen Tag sprachen sie nicht miteinander, aber am Montag bat sie ihn, seine Sachen wieder auszupacken und zu bleiben. Eine Schwangerschaft und die Geburt ihres einzigen Sohns Christian unterbrach Theresas Abwaertsspirale fuer neun Monate, aber danach nahm sie das Trinken wieder auf. Kurz danach hoerte sie auf zu arbeiten, waehrend die Beratungsfirma ihres Mannes immer besser lief.

Er begriff sehr wohl, dass er ihren Alkoholismus durch seinen beruflichen Erfolg foerderte: sie musste erleben, wie er, in ihrem Konzept lediglich ein Gegenstand ihres Besitzes, ein Eigenleben annahm. Und Theresa konnte nicht verstehen, was dieser Teil ihres Besitzes von ihr wollte. Da sie es nicht wusste und auch in ihrer Kindheit nie erfahren hatte, verhuellte sie ihre Uneinsichtigkeit hinter Vermutungen, es ginge immer nur um das eine, das sie nur in mokanten, feministisch eingekleideten Beschwerden wie ‘Maenner sind wie Wale – den ganzen Tag im Tran, und die ganze Kraft im Schwanz‘ ausdruecken konnte. Ihre Abweisungen gerieten zunehmend beleidigender und auch erfolgreicher, was sie natuerlich nur noch unzufriedener und unbefriedigter machte und immer haeufiger zur Flasche greifen liess. Ihren Gaesten und Bekannten jammerte sie vor, dass ihre Familie immer aermer werden wuerde, was Claus so unangenehm wurde, dass er sich zunehmend von solcher Geselligkeit in sein Buero zurueckzog. Der in ihrer Heimat praktizierte, durchweg menschenfeindliche und korrupte Katholizismus, gegen den sie in ihrer Jugend mit aller ihrer Kraft im Hause ihrer Eltern rebelliert hatte, hatte sie eingeholt: im Sex steckt der Teufel, ihre fromm-dummdreiste Mutter hatte endlich recht bekommen, und Theresa litt darunter furchtbar, aber sie wusste keinen Ausweg und Ratschlaege konnte sie von ihrem Mann nicht annehmen.

Claus liebte seinen Sohn aus vollem Herzen. Als Christian geboren wurde, hatte Claus fuer mehrere Tage das Gefuehl, fuenf Zentimeter ueber dem Boden zu schweben. Er trug Christian auf dem Arm ueberall mit sich rum, er wickelte ihn, verbrachte viel Zeit mit ihm, trug ihn mit zu den Treffen deutscher Frauen mit Kleinkindern in Katongo und nahm ihn sogar auf Beratungsauftraege ausserhalb Kabinsas mit.

Ueber Theresas Entwicklung war er sehr traurig, aber er wollte sich nicht von ihr trennen, weil er seinen Sohn nicht einer Scheidung seiner Eltern aussetzen wollte, und zweitens, weil er ganz stark hoffte und sich wuenschte, dass irgendwann die Ehe doch wieder ins Lot kommen wuerde.

“Ist Kwibisa nicht zur Arbeit gekommen?”, fragte Claus. Darauf berichtete Theresa, dass Kwibisa in der Kueche ohnmaechtig geworden war, Blut gebrochen hatte und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Beim Abtasten hatten die Aerzte eine grosse Geschwulst in der Bauchhoehle gefunden, und Kwibisa wurde sofort operiert. Krebs war die Diagnose.

Claus war erschuettert, als er das hoerte. Kwibisa war erst 22 Jahre alt und hatte schon Krebs. Er setzte sich an den Tisch, stuetzte sein Kinn auf seine Hand, rieb sich die Stoppeln seines Fuenf-Tage-Barts, dachte an Kwibisas piepsige Stimme und sein helles Lachen, wenn im Haus mal wieder was schief ging. Ob er wohl starke Schmerzen, Todesangst oder Verzweiflung spueren wuerde, wenn er aus der Narkose erwachen wuerde?

Leise fragte er Theresa; “Ist das nicht schrecklich? Der arme Junge!” Theresa antwortete spontan und hart: “Der Kerl geht mir bloss auf die Nerven.” Claus traute seinen Ohren nicht; was hatte Theresa da gesagt? “Der Kerl geht mir bloss auf die Nerven; jetzt muss ich mir wieder einen neuen Hausdiener suchen, nach bloss elf Monaten”, wiederholte Theresa ungeruehrt, ohne Claus anzusehen, und blaetterte weiter in ihrem Magazin. “Und wenn du mal Krebs bekommen wuerdest?”, fragte Claus nur, erhob sich vom Tisch und ging ins Badezimmer.

Das heisse Wasser aus der Dusche rauschte ueber seinen Kopf, aber er hoerte nur: “… geht mir bloss auf die Nerven.” Und wenn er selber mal Krebs bekommen wuerde, ginge er dann Theresa auch bloss auf die Nerven? Auf einmal verstand er Theresa, wie er sie sich bis zu diesem Moment nicht hatte vorstellen koennen: sie hatte schon im Teenageralter waehrend eines Volontariats als Hilfskrankenschwester Menschen sterben sehen und daraus in jener Zeit, als sie noch nicht reif genug war, diese Erlebnisse zu bewaeltigen, den Schluss gezogen, die Zeit bis zu ihrem Tod so angenehm und bequem zu verbringen wie moeglich, jeden auch noch so kleinen Vorteil fuer sich in Anspruch zu nehmen, ohne Ruecksicht auf andere. Claus fuehlte das Rauschen des Wassers auf seinen Kopf. und seine Benommenheit wich ploetzlich einer ruhigen Klarheit: mit dieser Frau wollte er nicht mehr sein weiteres Leben verbringen. Er seifte sich energisch den Dreck von seiner Haut ab, wusch seine Haare und trat erfrischt aus der Dusche. Nach dem Abtrocknen rasierte er sich, putzte sich die Zaehne und zog sich dann frische Kleider an. “Du siehst gut aus”, kommentierte Theresa.

Claus kochte Abendessen, erzaehlte Christian waehrend des Essens von seiner wilden Reise durch den afrikanischen Wildpark, und danach schauten sie sich noch einen Film an, bevor Christian ins Bett ging. Christian war jetzt zwoelf Jahre alt; irgendwann wuerde er vielleicht gross genug sein, eine Trennung seiner Eltern ertragen zu koennen, dachte sich Claus, aber eine stille Stimme in ihm fragte ihn: “Und Naomi? Wirkt die afrikanische Hexenkraft schon?” Theresa, die etwas bemerkt haben musste, fragte Claus: “Warum schmunzelst du jetzt?” Auf diese Frage hin geschah etwas, was Claus richtig verwunderte, ihn ueber sich selbst staunen liess: er berichtete ihr offen, frei von Schuldgefuehlen und ungeniert ueber Naomi, dass Naomi ihn eingeladen hatte, und dass sie ihn mit ihrer afrikanischen Magie verzaubert haette. Theresa zuckte nur mit den Schultern, murmelte nur: “So ein Bloedsinn!” und fragte nicht weiter.

Als Claus am naechsten Morgen in sein Buero ging, hoerte er schon vor der schweren Eingangstuer Jemusi husten, ein langer quaelender Hustenanfall, und nach wenigen Minuten ein zweiter Hustenanfall, der noch laenger dauerte. Claus nahm sich vor, Jemusi zum Doktor zu schicken und untersuchen zu lassen.

Nach einer Woche war der Laborbefund raus: Tuberkulose, eine haeufig mit einer HIV Ansteckung einhergehende opportunistische Infektion. Ob Jemusi sich mit HIV infisziert hatte oder nicht, beantwortete der Laborbericht nicht. Das war allgemeine Praxis in Katongo, in der Absicht, die Erkrankten vor Diskriminierung zu schuetzen. Claus fragte auch nicht danach, sondern bezahlte Jemusi die benoetigten Medikamente ohne Zoegern, und sagte ihm: “Ob du AIDS hast oder nicht, fuer mich bleibst du immer Jemusi. Aber du solltest wissen, dass man mit AIDS nicht sterben muss. Wenn du dich vernuenftig ernaehrst, dich nicht ueberlastest, und vor allem nur noch mit Kondom voegelst, wird es dir schon wieder besser gehen. Es gibt uebrigens eine Selbsthilfegruppe in Kabinsa, die kennen sich ganz gut aus und koennen dir viel helfen. Und schliesslich habe ich gehoert, dass es neue Medikamente gegen HIV Infektionen gibt, die dich so gut wie gesund machen, du musst sie halt nur dein ganzes Leben nehmen.” Aber Jemusi wies die Vermutung, er koenne AIDS haben, entruestet zurueck. Claus dachte: “Armer Jemusi, kannst es einfach nicht zugeben”, zuckte seine Achseln und schloss: “Du hast gehoert, was ich grade eben gesagt habe. Vergiss es bitte nicht. Aber den ersten Schritt musst du tun.” Fuer den ersten Monat der Tuberkulosebehandlung gab Claus Jemusi frei. Schon die Nebenwirkungen des gegen seine Tuberkulose verschriebenen Antibiotika-Cocktails wuerden hart genug sein und Jemusi arbeitsunfaehig machen.

Zurueck zu der Arbeit im Park. Endlich hatten er und der begleitende Bauingenieur all die Pisten vermessen und kartografiert,, deren Rehabilitierung sinnvoll erschien, und gehoerten nun zu den ganz wenigen Menschen in Katongo, die den Park tatsaechlich vollstaendig um- und durchfahren hatten.

Am Ende der Pistenbestandsaufnahme, auf der anderen Seite des Bwenzi Fluss stoppte Claus das Auto, bat den Ingenieur auszusteigen und heftete ihm feierlich den Verschluss einer Coca-Cola Flasche als Orden an die Brusttasches seines Hemds, schlug ihn mit dem Wagenheber als Schwert zum ‘Ritter des Ruwanga Parks‘, worauf der Ingenieur das gleiche mit ihm tat und ihn dann noch im Uebermut seiner Gefuehle mit dem Rest der Cola Flasche duschte.

Die ueberzuckerte braune Bruehe zog sofort eine Unmenge Fliegen an. Claus liess einen Schrei los und sprang komplett angezogen in den Fluss, um sein Hemd zu reinigen. Kaum war er aber wieder aufgetaucht, hoerte er den Ingenieur vom Ufer schreien und sah ihn heftig mit den Armen fuchteln. Er hatte ein Krokodil ins Wasser gleiten sehen, keine zwanzig Meter oberhalb der Stelle, an der Claus ins Wasser gesprungen war. Claus rannte, mit den Armen wild rudernd, aus dem Wasser, drehte sich am Ufer angelangt um und sah, wie das Krokodil unglaublich schnell unter Wasser auf die Stelle zuschwamm, wo er grade das Wasser verlassen hatte. Als das Krokodil aus dem Wasser auf das Ufer schnellte, warf der Ingenieur mit aller Kraft einen schweren Stein auf den Kopf des Krokodils. Der Aufprall hoerte sich an, als ob der Kiesel auf eine leere Holzkiste geknallt waere. Das Krokodil sprang vor Schreck und Schmerz in die Hoehe, fast einen Meter, stiess einen bloekenden Laut aus, drehte sich noch im Fall und fiel mit einem grossen Platsch in den Fluss zurueck, von wo es sofort abtauchte und verschwand. Der Ingenieur bog sich vor Lachen und rief aus: “Armes Krokodil – kein Fruehstueck heute, noch nicht mal einen einzigen weissen Mann!”, und machte eine unglaubliche Trauermiene, worauf Claus, tropfnass und vor Schreck noch zitternd, ebenfalls zu lachen anfing, bis er fast keine Luft mehr bekam und ihm der Bauch weh tat. Die Regen hatten aufgehoert, sie schafften es, den Bwenzi Fluss zu ueberqueren. Auf der Weiterfahrt vermieden sie es, sich anzugucken, weil sie dann wieder in Lachkraempfe fielen.

Im Kommando statteten sie Naomi einen Hoeflichkeitsbesuch ab, berichteten vom Abschluss der Pistenerfassung und baten um Unterkunft fuer die Nacht. Naomi besorgte fuer den Bauingenieur Quartier in einem leerstehenden Wildhueterhaus, Claus wuerde sie in einem anderen Haus unterbringen, sagte sie dem Ingenieur. Den Toyota liessen sie vor dem Quartier des Ingenieurs stehen, und dann, ausser Hoerweite des zurueckbleibenden Ingenieurs, fragte sie Claus leise: “Ist es in Ordnung, wenn du in meinem Haus schlaefst?” Claus sah sie an und nickte ganz leicht mit dem Kopf, ohne etwas zu sagen. So gingen sie zu Fuss in der einbrechenden Daemmerung zu Naomis Haus, das sie erst im Dunklen erreichten. Naomi vermied es, auf dem Weg Claus anzuschauen; ihre Koerperhaltung drueckte etwas Verlegenheit, Unsicherheit aus, und sie war schweigsam.

Unter der Eingangstuer bat sie Claus, die Unordnung im Haus zu entschuldigen, schloss auf, ging im Dunkel irgendwo hin und kam mit einer brennenden Kerze wieder, die langsam das Wohnzimmer erleuchtete, waehrend sie die Haustuer verschloss. Sie brachte eine zweite Kerze und lud Claus ein, ein warmes Bad zu nehmen, um sich den Strassenstaub und Matsch der Piste abzuwaschen, was Claus gerne annahm. Als er fertig war, zog er ein paar frische Boxershorts an und kehrte ins Wohnzimmer zurueck, wo Naomi Abendessen gedeckt hatte: gegrillten Karpfen aus dem Ruwanga See, Kuerbisblaetter mit gestampften Erdnuessen und Maisbrei, Wasser als Getraenk, nachdem er Bier abgelehnt hatte. Er ass mit grossem Appetit, waehrend Naomi nur ein ein paar Bissen ass und ihn schweigend im Kerzenlicht anschaute.Nachdem Claus gegessen hatte, machte er das landesuebliche Kompliment: “Ich bin voll”, worauf Naomi ihm eine Schuessel mit warmen Wasser brachte, mit dem er seine Haende waschen konnte.

Danach nahm sie ihn bei der Hand, fuehrte ihn in ihr Schlafzimmer und lud ihn ein, sich fuer die Nacht vorzubereiten. Claus ging nochmal ins Bad, putzte sich die Zaehne, und kehrte schnell zurueck. Naomi hatte sich vollkommen nackt ausgezogen, mit dem Ruecken auf das Bett gelegt, ein Bein ausgestreckt, das andere Bein abgespreizt, sodass Claus im Kerzenlicht ihre ganze Weiblichkeit sehen konnte. Sie hatte ihre Schamhaare rasiert; Claus bemerkte ihre aufregend lange schmale Furche, die von kleinen, strammen aeusseren Schamlippen eingefasst waren. Gemaess Brauch hatte sie ihre inneren Schamlippen, die aus der Ritze hervorragten, in ihrer Kindheit durch stetiges Massieren vergroessert; katongonische Muetter pflegen ihren Toechtern diese Verlaengerung anzuraten, um attraktiver fuer Maenner zu werden. Die Haut der inneren Schamlippen leuchtete im Kerzenlicht schwarzrot wie dunkle russiche Schokolade. Ihre Brueste waren klein, und die Nippel auf ihren Bruesten standen steif. Ihren Kopf hatte sie zur Seite gedreht.

Claus zog sich rasch die Boxershorts aus, sein Penis wurde lang und steif wie schon lange nicht mehr, er kniete ins Bett und beugte sein Gesicht vor, nahm Naomi Kopf in seine zwei Haende und drehte ihn sanft zu seinem Gesicht. Dann kuesste er sie, zart und leicht auf ihre Lippen, sah sie wieder an und laechelte. Naomi blickte zurueck, laechelte ebenfalls, und dann schlang sie ihre Arme um seine Schulter, runter um seine Pobacken, drueckte seinen Unterleib auf ihren Bauch, so fest wie sie konnte. Claus‘ vom Schaft seines Penises deutlich abstehende Eichel pochte und drueckte ein paar erste, glassklare Tropfen Gleitfluessigkeit hervor. Naomi fuehlte die Feuchtigkeit, hob Clauss Becken von sich und fragte verwundert: “So schnell?” “Nein”, lachte Claus, “nur Freudentraenen.” Claus legte sein Kondom an. Naomi guckte ihn fragend an, und er sagte: “Ich moechte mich an dir erfreuen und dich nicht beunruhigen. Verstehst du?.” Darauf drueckte sie Clauss Po wieder nach unten und dann mit Kraft gegen ihre Scheide, sodass Clauss Penis mit einem Ruck bis zur Wurzel einglitt. Naomi stoehnte leise, hielt Clauss Po eisern fest, sodass Claus sich nicht bewegen konnte, und dann bewegte sie ihr Becken, schaukelte vorwaerts und rueckwaerts, nach oben und unten, hielt nach wenigen Bewegungen still und drueckte mit ihrer Scheidenmuskulatur Claus‘ harten, heissen Penis – kleine scharfe Muskelzuckungen, die Claus fast wehtaten, so fest drueckte und zwickte sie seinen Penis in ihrer Vagina.

Claus loeste sich mit seinem Becken aus der Umklammerung ihrer Arme und Haende, drang bis zum Ende vor, umfasste ihre Schultern fest mit einem Arm, mit der freien Hand umfasste er ihre Brust, nahm mit seinen ausgestreckten Fingern ihre Nippel und strich an ihnen aufwaerts, erst ganz zart und dann fester ziehend, und dann zog er seinen Penis zurueck, drang wieder bis zur Wurzel ein und hatte das Gefuehl, sein Penis wuerde immer groesser und haerter. Naomi nahm seinen Rythmus auf, schob gegen ihn, wenn er eindrang, zwickte ein-, zweimal scharf, und liess ihn dann zurueckgleiten, bevor sie sich ihm wieder entgegenschob. Die ihr immer mehr austretenden Scheidenfluessigkeit benetzte seinen Penisansatz, seine Hoden und Schenkel, erzeugte spuerbare Verdunstungskuehle, Claus fuehlte, wie seine Erregung sich von seinem Penis und dem durch das feste Zusammenpressen der Pobacken stimulierten Anus in sein ganzes Becken ausbreitete, wie sein Gesicht und seine Schultern sich roeteten und erwaermten, und dann stroemte mit unglaublicher Lust sein Samenerguss in das Kondom, er atmete tief durch die Nase ein and and sank nieder; er fuehlte noch ein Stakkato schneller scharfer Muskelkontraktionen in Naomi; sie baeumte sich nochmal auf, und dann verliess ihn sein Bewusstsein fuer wenige Sekunden. Als er wieder zu sich kam, fuehlte er sich weich und unglaublich muede. Er kuesste Naomi auf dem Mund, auf ihre kleinen Brueste, auf ihren Bauchnabel. Sie hielt ihn davon ab, auch ihre Scheide zu kuessen, er zog sein Kondom ab, verknotete es und schmiss es unter das Bett, umarmte sie und war auch schon eingeschlafen.

Mitten in der Nacht wachte er auf. Naomi war unter die Bettdecke gekrochen und nahm seinen noch langen, aber weichen Penis in ihren Mund, klopfte mit ihren Fingern sanft gegen seine Hoden und massierte den Schwellkoerper zwischen seinen Pobacken, in kurzer Zeit stand sein Penis wieder so hart wie beim ersten Mal. Naomi bewegte ihren Kopf unter der Bettdecke auf und ab, biss ihn zart in seinen Penis, er spuerte ihre Zaehne und kam ein zweites Mal. Naomi nahm seinen Erguss in ihren Mund, leckte Clauss Penis sauber, tauchte mit dem Kopf wieder auf, ertastete sein Gesicht, kuesste ihn und drehte ihm ihren Ruecken zu. Er drueckte sein Becken fest gegen ihren Po, sodass sein Penis noch pochend in ihrer Poritze zu liegen kam, schlang seinen Arm unter ihrem Arm, umfasste ihre rechte Brust mit seiner warmen Hand und war schon wieder eingeschlafen.

In der Morgendaemmerung wachte er auf, liess seine Hand von Naomis Brust auf ihren Bauch gleiten, dann tiefer. Seine Finger teilten ihre Schamlippen, er ertastete eine kleine harte Stelle und massierte sie, bis Naomi aufwachte, seufzte und ihre Beine ganz oeffnete. Diesmal wehrte sie sich nicht, als Claus sein Gesicht zwischen ihre Beine schob, mit seiner Zunge erst ganz leicht, dann staerker ihre Klitoris stimulierte. Von dort wanderte seine Zunge tiefer, teilte ihre Schamlippen. Die dunklen Schamlippen gaben einen Blick auf den Eingang ihrer leuchtend rosa Vagina frei; der Farbkontrast entzueckte Claus. Er massierte ihren Kitzler jetzt mit seinen Fingerkuppen, waehrend er mit seinen Lippen an ihren spuerbar fester werdenden inneren Lippen sog. Naomi seufzte tiefer und schob ihr Becken fester gegen Clauss Gesicht, worauf Claus seine Zunge in ihre Vagina fuehrte und die Feuchtigkeit aufsaugte. Ihre Scheidenfluessigkeit schmeckte ihm unvergleichlich gut, eine zarte Suesse, die er nicht erwartet hatte, bis Naomi ihn hochzog und seinen Penis in ihre nun tropfnasse Vagina einfuehrte. Diesmal dauerte es laenger, bis Claus zum Orgasmus kam, aber als Naomi ihren Finger auf Clauss Anus legte, sanft drueckte und dann kreisen liess, konnte er nicht mehr zurueckhalten und spritzte seinen nun geringeren Samenerguss mit einer ihm zuvor unbekannten Lust in sie. Naomi stand auf, brachte warmes Wasser und wusch Clauss noch tropfenden Penis. Sie guckte, zog seine Schamhaare auseinander und sagte spoettisch: “Wieso das denn? Auf einer befahrenen Strasse waechst doch kein Grass.” Dann stand sie wieder auf, noch vollkommen nackt und ging in die Kueche, um Fruehstueck zu machen.

Claus blickte aus dem Bett versonnen auf ihre Schultern, ihren Ruecken, ihre schmale Taille und ihren aufregend schoen geformten Po. Die zwei Muskeln des Pos hoben sich von ihren Beckenknochen deutlich ab und waren wie Birnen geformt, die im Takt ihres Ganges leicht vibrierten. Auf einmal fiel Claus siedendheiss ein, dass er bei dieser Runde ganz vergessen hatte, ein Kondom anzulegen, und er verstand Jemusi.

Das Fruehstueck servierte Naomi auf einer kleinen geschuetzten Terrasse hinter dem Haus. “Vertraust du mir soviel, dass du mich sogar ohne Kondom mit dir schlafen laesst?”, fragte er sie. Sie schaute ihn an, laechelte und antwortete: “Vielleicht 0,25 Prozent!” Einige Elefanten traten auf die Wiese vor der Terrasse und grasten ruhig. Naomi laechelte Claus an und fragte ihn leise: “Na, habe ich zuviel versprochen?” Beim Verlassen des Hauses bat sie Claus, sich in ihrem Auto zu ducken; sie wollten nicht, dass irgendjemand im Chatita Kommando sie zusammen sehen wuerde. Claus folgte ihrem Ratschlag; er wollte sie nicht vor den Wildhuetern im Kommando kompromittieren. Beim Verlassen des Autos machte Claus ihr ein kleines Geldgeschenk und fragte sie: “Bleiben wir Freunde?” “Das musst du entscheiden”, antwortete sie mit ernstem Gesicht, “ich finde jedenfalls, es war schoen.”

Mit beinah fuenfzig Jahren sollte man seinen Koerper nicht spueren, sondern benutzen. Man wuerde sich unter Kontrolle haben, berufliche Aufgaben mit Energie und Kenntnis zum Abschluss bringen, man wuerde sich am Leben freuen, Kinder wachsen sehen, essen, trinken, rauchen, Freunde haben. Claus aber war an diesem Morgen aus seiner seelischen Balance gebracht. Er fuehlte sich warm und wohl, mit schmerzendem Muskelkater im Ruecken, und unendlich zufrieden mit seinem Ehebruch. Der Bauingenieur hatte eine weniger glueckliche Nacht verbracht: er hatte Weinbrand getrunken und sich dann im Rausch einen Fuss verstaucht. Seine heftigen Schmerzen im Fussgelenk hielten ihn waehrend der Fahrt nach Kabinsa davon ab, die Veraenderung an Claus zu bemerken, was Claus ganz recht war.

Die ganze Geschichte ist uebrigens unter dem Titel „Der Betriebsberater“ mit der ISBN 9783741870507 von e-publi verlegt worden und in jeder guten Buchhandlung erhaeltlich.

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