Kapitel 10 Bernd lässt nicht locker

Juni 27, 2017

Stolz lehnt er sich in seinem großen ledernen Schreibtischstuhl zurück und greift noch einmal in die große Schüssel mit den Kartoffel-Chips.
Langsam kauend summt er vor sich hin und flüstert »geil Lena, das wird dir gefallen. Nun sind wir offiziell ein Paar und alle werden es wissen.« .
Er hatte schon Übung darin Fake-Profile zu erstellen, obwohl es mittlerweile nicht mehr so einfach war. Aber war es denn ein Fake-Profil? Eigentlich nicht, denn Lena war real und er war Real. Lena würde sich niemals beschweren, denn er hatte zu viel in der Hand und sie würde zu viel erklären müssen.
er wischt sich seine fettigen Finger in seinem T-Shirt ab und greift nach seinem Handy.

***
Lenas Mutter ,Nastasja , sitzt am Küchentisch. als Lena die Treppe herunter kommt.
»Und Schatz, geht es dir besser« , fragt sie.
»Geht so, Mama.«
»Was ist denn nun los, ich sehe doch das es dir nicht gut geht und das nicht erst seit heute.«
»Nee Mama, es geht mir gut. Ich brauche nur etwas Ruhe. Diese Woche mache ich blau.«
»Du weißt das du dir das nicht leisten kannst, Lena«, sagt Nastasja mit ernstem Blick.
»Ja gut, aber morgen noch, okay?«
»Erzähl deinem Vater aber nichts«, sagt Lenas Mutter und zwinkert ihr zu. Du solltest mal was essen, es ist fasst Nachmittag.«
»Kein Hunger.«
»Möchtest du wenigstens einen Tee, habe gerade frischen gemacht.«
»Na gut, bevor du mich schlägst«, sagt Lena und setzt sich an den Tisch.
Nastasja greift nach einem Becher und gießt ihn bis zum Rand voll.
»Und nun erzählst du mir was los ist, Kleines.«
»Mama…bitte es ist alles in Ordnung.«
»Gut dann gehst du morgen wieder in die Schule.«
»Och…Mama.«
»Oder du sagst mir was los ist. Geht es um einen Jungen?«
»Ich bin nicht schwanger wenn du das meinst.«
»Das meine ich auch nicht.«
Jelena schaut aus dem Fenster und holt tief Luft.«
»Ich warte Jelena. Ich bin deine Mutter und es ist nicht zu übersehen, dass etwas nicht stimmt. Ich mache mir Sorgen.«
»Okay Mama, es geht um einen Jungen. Ich mag ihn sehr und er will nichts von mir wissen. Reicht dir das?«
»Nein nicht wirklich.«
»Ist das Verhör jetzt beendet?«
»Na gut, wenn du jetzt nicht drüber reden möchtest, muss ich es akzeptieren.«
»Musst du wohl«, flüstert Lena.
»Ich lasse aber nicht Locker und wenn du es mir nicht sagen willst, erfahre ich es von anderen, was die Sache für dich aber nicht besser macht.«
»Bitte Mama, ich werde es dir erzählen, aber nicht jetzt.«
»Und wann willst du es mir erzählen?«
»Ich muss noch etwas erledigen und dann werde ich dir alles sagen.«
»Komm Jelena, wie lächerlich klingt das denn jetzt? Etwas erledigen, so ein Quatsch.«
»Musst du nicht langsam mal los, “Mutter“«, Lena wirft ihrer Mutter einen wütenden Blick zu.
»Ja das muss ich und das ist dein Glück. Du weißt was passiert wenn dein Vater Wind davon bekommt?«
»Es ist nichts wo rüber ihr euch Sorgen machen müsst. Lass mich einfach in Ruhe. Es ist meine Sache.«
Nastasja steht auf und geht ohne noch etwas zu sagen aus der Küche.

***
Breit grinsend legt er sein Handy zur Seite. Er greift wieder in die Chips und stopft sich eine volle Hand in den Mund.
»Lass dir nicht zu viel Zeit mein Schatz. Heute wird es ein aufregender Tag für uns “beide“.«
Die ersten Freundschaftsanfragen werden bestätigt und die ersten Nachrichten gehen ein.
»Na das läuft doch.«
Zufrieden nimmt er einen Großen Schluck aus dem Becher mit der Cola.

***
Lena sieht ihr Handy blinken doch sie ignoriert es.
»Lasst mich doch einfach alle in Ruhe.«
Sie legt sich aufs Bett und schließt die Augen.
Eine weitere Nachricht geht auf ihrem Handy ein.
»Fuck…was wollt ihr«, sagt sie und greift nach ihrem Handy.
Fünf neue Nachrichten. Sie öffnet die erste.

Lena rennt in das Bad, beugt sich über die Toilette, doch mehr als ein paar Tropfen warmen Tee würgt sie nicht heraus.

Mit jedem Schritt auf die Hütte zu, nimmt das Gefühl sich wieder übergeben zu müssen in ihr zu.
Sie steht vor der alten Tür. Aus dem Innern der Hütte dringen Stimmen.
Sie ist, auch wenn, nur wenig erleichtert. Noch einmal alleine mit Bernd, in dieser verdammten Hütte, würde sie nicht ertragen. Sie hat sich vorgenommen dem ganzen heute ein Ende zu setzen. Sie wird mit Bernd reden. Ihm erklären, dass das Ganze keinen Sinn macht. Er wird die Fotos löschen und sie in Ruhe lassen.
Wieder fasst sie sich an den Bauch, alles in ihr krampft. Doch sie muss sich dem stellen was kommt.
Zitternd öffnet sie die Tür.
Bernd begrüßt sie mit einem breitem grinsen und sagt »hey Schatz, du bist spät dran, aber das kennen wir ja schon von dir.«
Lachend wendet Bernd sich zu den beiden Jungs auf dem Sofa.

Nach dem sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hat erkennt sie die beiden anderen. Es ist Flo. Ein kleiner dünner Junge mit einer dicken Nerd-Brille. Seine Blonden Haare sind verwurschtelt als käme er gerade aus dem Bett. Er trägt ein weißes, viel zu großes T-Shirt. Seine dünnen weißen Arme wirken darin wie Zahnstocher.
Neben ihm sitzt Maximilian, er selbst nennt sich Mad Max. Ein noch größeres Ekelpaket als Bernd das Schmalzbrot. Ein Pickelgesichtiger Fettsack mit schmierigen braunen Haaren. Seine Braune Hornbrille mit den Coca Cola-Flaschenböden scheint jeden Moment von seiner Nase zu rutschen. Sein weiß braun kariertes Hemd sitzt hauteng – kurz vorm platzen. Lässig zieht Maximilian an seiner Zigarette und streicht dabei mit dem Mittelfinger über seinen -möchtegern Oberlippenbart.

»Komm setz dich zu mir, mein Schatz«, sagt Bernd und klatscht dabei auf seine fetten Oberschenkel.
»Nein danke ich stehe lieber. Was ist das hier, der Club der Oberlooser Nerds«, fragt Lena und bereut es schon im selben Moment.
»Nun sei nicht so zickig, das sind Flo und Mad Max, du kennst sie bestimmt.«
»Ja ich kenne die beiden. Wart ihr nicht Diejenigen, die die Gesamte EDV der schule lahm legten, weil ihr Möchtegern Hacker an die Tests, Arbeiten und Zeugnisunterlagen wolltet.
»Hihi…ja das waren wir«, antworte Flo.
»War echt eine Lachnummer von euch beiden Idioten«, auch diesen Satz bereut Lena schon.
»Du solltest deiner Freundin vielleicht mal Manieren bei bringen«, sagt Maximilian, während er sich eine weitere Zigarette anzündet.
»Rauchen schadet der Gesundheit«, sagt Lena und neigt frech den Kopf zur Seite. Obwohl sie kurz vor der Explosion steht, versucht sie sich cool zu geben.
»Grinsend antwortet Bernd »darum liebe ich sie. Frech, schlagfertig und hübsch dazu.«
»Sie ist heiß. Wie machst du das nur, Bernd. Wie kriegst du immer solche Mädchen«, fragt Flo.
»Tja die Frauen stehen einfach auf mich.«
Lena wird schlecht und sie unterdrückt ein weiteres würgen.

Bernd erhebt sich von seinem Sessel, geht auf Lena zu und will sie Küssen.
Sie aber dreht den Kopf zur Seite und Bernd trifft nur ihre Wange.
»Blamiere mich nicht du verdammte Schlampe, sonst mache ich dich fertig. Kein Mädchen behandelt mich so«, flüstert Bernd mit zusammen gekniffenden Zähnen und drückt sie dabei fest an sich
Lena schaut angewidert zur Seite und trifft dabei auf Flo´s fragenden Blick.

»Also Leute was ist, ich habe Bier besorgt, wer will?« Bernd stellt ein träger Bier auf den Tisch, Flo und Maximilian greifen sofort zu.
»Was ist mit dir, mein Schatz?«
»Ich trinke keinen Alkohol, Schmalzbrot.«
Haha…Schmalzbrot…sie nennt dich…«
Noch bevor Flo den Satz beenden konnte packt Bernd ihn am Hals und zieht in über den Tisch zu sich.
»Was ist so witzig daran, du kleiner Spinner«, schreit Bernd
»Nichts, Bernd…gar nichts…alles gut.«

Flo scheint aufgefallen zu sein, dass an dieser Situation etwas faul ist. Er beobachtet Lena schon seit sie in der Hütte steht.
Bernd lässt Flo los und er fällt zurück auf das Sofa. Bernd setzt sich ebenfalls öffnet ein Bier und ruft laut »Prost!«
Alle drei nehmen einen großen Schluck aus ihren Flaschen, wie es Männer machen.
»Und was machen wir heute noch«, fragt Maximilian.
»Ich weiß nicht was ihr drei noch macht, aber ich hau gleich wieder ab. Hab keinen Bock hier rum zu hängen und zu zu sehen wie ihr Spinner Bier trinkt.«
»Ich weiß du möchtest lieber Zeit mit mir alleine verbringen, mein Schatz. Aber Flo und Mad Max wollten dich kennen lernen. Außerdem unternehmen wir drei viel zusammen und jetzt, da wir beide ein Paar sind, gehörst du natürlich dazu.«
Lena sieht Bernd wütend an und schüttelt den Kopf.

»Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los dein Schatz ist sauer«, sagt Flo und beobachte Lena dabei.
»Warum sollte mein Schatz sauer sein? Nein…sie ist nur eine kleine Zicke. Nicht war, Lena? Wir verstehen uns super. Sie hatte ja schon den einen oder anderen Typen und jetzt kann sie froh sein mich zu haben. Guckt euch Jonas die Pfeife an, kriegt doch nix geregelt. Mit mir hat Lena endlich den gefunden, den sie verdient, nicht war mein Schatz?«
»Natürlich! Du bist mein Schmalzbrot, das weißt du doch«, sagt Lena und lächelt Bernd an.
Bernd`s Kinn beginnt vor Wut zu zittern und seine Hände verkrampfen sich in die Sessellehnen.

Maximilian, schon seit Minuten in sein Handy vertieft ruft »angenommen!«
»Was?«
»Was?«
»Hä?«
»Deine Freundschaftsanfrage, Lena.«
»Welche Freundschaftsanfrage?«
»Deinen Freundschaftsanfrage auf Facebook, Lena.«
»Zeig her.«
»Da siehst du?«
»What the Fuck…«
»Naja ich habe dir ein Facebook Account erstellt. Ich weiß ja du bist was das angeht nicht so gut, hab dir einen gefallen getan«, sagt Bernd grinsend.
»Was bin ich nicht«, Lena wirft Bernd einen wütenden Blick zu. »Komm mal mit mir vor die Tür, Bernd«
Bernd steht auf und folgt Lena nach draußen.

Es hat mittlerweile zu regnen begonnen.
Lena geht einige Meter und wartet auf Bernd.
»Sag mal, was stimmt nicht mit dir? Was soll das alles? Denkst du wirklich, dass du damit durch kommst? Du erpresst mich, meldest dich in meinem Namen bei Facebook an?!
Was kommt noch?
Bernd zuckt nur mit den schultern und grinnst blöd.
Lena holt weit aus und verpasst Bernd eine schallende Ohrfeige – so fest das ihre Handfläche sofort brennt wie Feuer.
Erschrocken sieht Bernd sie an und hält sich seine schmerzende Wange. »Was soll das denn Jetzt?«
Lena dreht sich um und flüstert »das meinst du jetzt nicht ernst, oder?«
»Ich dachte wir…«

Noch bevor Bernd den Satz beenden kann, dreht Lena sich wieder lächelnd zu Bernd, mit voller Wucht und beiden Händen verpasst sie ihm einen Schubs. Bernd verliert das Gleichgewicht und fällt mit dem Rücken voran in einen kleinen Tümpel hinter sich.
Lena kniet sich vor Bernd. Ihm stehen Tränen vor Wut in den Augen. Er versucht etwas zu sagen, doch ihm fehlt die Luft.
»Wir? Bernd, es wird kein wir geben. Du bist das größte Arschloch auf dieser Erde und wenn du mich nicht in ruhe lässt werde ich “dich“ fertig machen.
»Das wirst du bereuen, du Schlampe. Jetzt geht es erst richtig los« , röchelt Bernd, während er vergebens versucht aus dem Tümpel zu kriechen.

Lena steht auf und geht in Richtung Hütte. Aus dem leichten Regen ist mittlerweile ein kräftiger Schauer geworden. Doch Lena stört das nicht. In der Tür steht Flo und sieht sie erschrocken an. Ohne ein Wort geht Lena an ihm vorbei in Richtung Straße.

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